Wer ist der Feind?

Aktualisiert: März 24

Manchmal frage ich mich, ob ich in diesem harten Winter der einzige bin, der sich seinen Realitätssinn bewahrt hat. Ich bin es leid, immer öfter beruflich oder privat als Unheilsprophet bezeichnet zu werden, nur weil ich schon seit Beginn der Pandemie allen überschwänglichen Erwartungen immer ein abwartendes "lasst uns lieber auf Sicht fahren" oder "wir können nur zehn bis 14 Tage planen" entgegensetze. Schulöffnungen noch vor Ostern, Amateurfußball im März, Konfirmationen im April, in den Pfingstferien auf Urlaub in Malle und bis Mitte Juni sind alle geimpft...

Ich bleibe jetzt lieber still und sage nichts mehr. Und im Stillen rechne ich damit, dass ich noch weit bis in den Sommer hinein

allein meine Runden drehen werde. Es ist schöner, wenn ein Zweckpessimist angenehm überrascht wird als dass eine Hoffnung nach der anderen wie Seifenblasen zerstiebt.

Und so schlecht ist die Stille gar nicht. Ich laufe jetzt mit mir und meinen Gedanken ganz allein und plappere nicht unermüdlich wie ein munterer Wasserfall. Ich habe jetzt Augen für die Schönheit der Natur und meist meine Kamera dabei, um auch mal innezuhalten, zu betrachten und das Gesehene im Bild festzuhalten. Ich habe jetzt Ohren für das Orchester der Welt, höre das Knirschen des Schnees unter meinen Füßen, das Krächzen der Krähen und das leise Davonhuschen der Rehe im Wald.

Heute früh lese ich dann einen Kommentar in der Rhein-Neckar-Zeitung und staune. Es gibt doch noch Seelenverwandte! Und darum will ich euch zumindest die abschließenden Sätze des Redakteurs nicht vorenthalten: "(...) der Umgang mit der Pandemie (...) sollte aber kein Grund zur Resignation sein. Sondern Grund zu mehr Realitätssinn: Der Kampf gegen eine Pandemie ist ein Langstreckenlauf. Ermüdend, anstrengend. Doch je konsequenter er geführt wird, desto früher tritt der Erfolg ein. Deshalb sollte man eines nicht vergessen: Das Virus ist der Feind."

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