Was ist schon normal?

Aktualisiert: Juli 5

Was für eine Freude! Ich biege mit meinem Fahrrad um die Ecke, und da stehen schon die ersten Laufkollegen am Treffpunkt. Es ist der 1. Juni und die neue Öffnungsstufe ist eingetreten: jetzt dürfen sich zehn Menschen aus drei Haushalten treffen, die Geimpften nicht mitgezählt. Ich habe kurz überschlagen, ob das reicht für eine Walking- und eine Läufergruppe und es passt! Monatelang haben wir uns nicht mehr gesehen – das merkt man auch daran, dass Heike vom Glatteis im Februar berichtet... Ein tolles Gefühl: beim Laufen nicht nur mit den eigenen Gedanken beschäftigt zu sein, sondern zuhören und (natürlich auch selbst wie ein Wasserfall) reden zu können.

Der Feiertag unterbricht unseren Rhythmus, aber am Dienstag darauf sind wir wieder zwei kleine Gruppen, die sich auf die gemeinsame Bewegung freuen. Der Gesprächsstoff geht uns nicht aus. Als wir aber bei Krankheitsgeschichten ankommen, wage ich doch einmal einzuwerfen, ob wir uns nicht lieber über Rezepte und gutes Essen austauschen wollen. Als wir in Daudenzell schon auf dem Rückweg sind, klingeln wir an der Werkstatt von Hannes Sturm. Er freut sich, uns zu sehen, und hat natürlich gleich ein schlechtes Gewissen, als wir ihn auffordern, doch auch wieder zum Training zu kommen. „Am Donnerstag“, sagt er. „Ich schwör!“ Ich bin mal gespannt... Kurz vor dem Ziel sorgt Heike für einen Ausbruch an Heiterkeit. „Schaut mal auf den Spargel, wie hoch der steht!“, ruft sie und zeigt auf ein Rapsfeld. Schnell schiebt sie die Erkenntnis hinterher: „Manchmal rede ich schneller, als ich denke.“ Aber geht es uns nicht auch immer wieder so?

Als ich am Donnerstag zum Treffpunkt komme, steht Hannes tatsächlich schon da und wartet. Er trägt ein altes Wettkampfshirt und ist ganz heiß auf die Trainingseinheit. Auch ansonsten läuft er so wie immer: den Berg hinauf in vollem Tempo, oben angekommen, ruht er sich im Gehen aus. Und träumt laut von all den Wettkämpfen, die er sich vorgenommen hat. Und wie es der Zufall so will, kommen wir Läufer zeitgleich mit der Walking-Gruppe wieder am Zielort an. „Wieviel Kilometer habt ihr geschafft?“, frage ich Gerd. „Sieben“, sagt er, aber ich sehe ihm an der Nasenspitze an, dass dies nicht stimmt. „Zeig her!“, fordere ich ihn auf. Seine Uhr zeigt 6,44 km. „Das wird abgerundet!“, sage ich. Also nehmen Bruno und Gerd ihre Stöcke in die Hand und drehen noch eine Extra-Runde, damit sie 7 km gutgeschrieben bekommen. „Nächste Woche könnten wir eigentlich hinterher noch ein Bier trinken“, überlegt Bruno laut. Schön, dass langsam wieder die Normalität unser Leben in den Griff bekommt.


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