Laufen ist Kopfsache!

Es ist kaum zu glauben: nach einer gefühlten Ewigkeit geht es mal wieder zu einem echten Wettkampf! Und auch noch zu einem reinen Straßenlauf; ich weiß eigentlich gar nicht mehr, was das ist. Dazu geht es über die volle Marathondistanz beim 15. Gletschermarathon im Pitztal. Stellt sich also die Frage, ob ich mich dementsprechend vorbereitet habe. Nun ja, nach meiner Laufanalyse im Frühjahr habe ich mein Training umgestellt und intensiviert. Vor sieben Wochen hat dies im Training ohne große Extra-Vorbereitung zu einer Halbmarathonzeit nicht mal eine Minute über meiner bisherigen Bestzeit gereicht. Lange Läufe waren allerdings eher weniger dabei. Viel schlimmer ist allerdings die Tatsache, dass ich in den letztem vier Wochen nur zweimal laufen war. Zuerst gab es die Zwangspause nach meinem Sturz vom Rad, dann nach der Impfung und im Urlaub war mehr Rad fahren angesagt. Apropos: ob die zwei intensiven Radtage mit 200 km und knapp 5000 Höhenmetern vergangenen Montag und Dienstag wohl schon wieder aus den Beinen sind? Die 42km werden es zeigen!

Irgendwie fühlt sich das Laufen heute aber sehr komisch an (wen wundert es nach der langen Pause) und ich komme nicht in das Tempo, das ich eigentlich gern laufen würde. Wobei Kilometer 7 und 8 dann doch mal ganz gute Zeiten haben und ich etwas optimistischer werde. Mein erstes Gel nach knapp 10 km will mein Magen dann aber nicht so wirklich gut vertragen und ich frage mich schon, ob ich es überhaupt versuchen soll, irgendwann ein nächstes zu mir zu nehmen. Auch Isi merkt wohl, dass es mir nicht so gut geht, und versucht mich etwas aufzuheitern. Zum Glück beruhigt sich der Magen dann wieder, dafür macht sich bei km 16 die Hüfte bemerkbar.


Was ist heute nur los, frage ich mich.... Aber so schnell wird natürlich nicht aufgegeben! Ich nehme ein weiteres Gel zu mir und bin positiv überrascht, dass ich es diesmal gut vertrage; dann kommt das erste Ziel, die Halbmarathon-Marke, schon in Sichtweite. Nachdem dieses Zwischenziel geschafft ist, kämpfe ich mich Kilometer für Kilometer weiter, bei km 25 geht es endlich mal nicht mehr bergab, sondern bergauf. Heute freue ich mich richtig darauf, anstatt nun jeden Schritt kräftezehrend und in der Hüfte schmerzend abfangen zu müssen, werden nun beim bergauf Laufen die Muskeln zumindest ein klein bisschen anders belastet.

Das nächste Zwischenziel, der Startpunkt für den Halbmarathon und Run-Fun-Lauf bei km 31 in Wenns kommt immer näher. Das Laufen macht doch etwas Spaß, auch wenn die letzten Meter nach Wenns hoch nochmals relativ steil werden. Immerhin werde ich auf diesem Abschnitt nicht mehr überholt und kann zwei Läufer vor mir wieder einholen. Kurz bevor ich den Start sehen kann, höre ich dann den Countdown für den Run-Fun-Lauf: 3, 2, 1, los! Na super, jetzt habe ich die ganze Meute an Läufern und Läuferinnern vor mir. Tatsächlich ist eine Kurve später die ganze Straße gefüllt und ich bahne mir meinen Weg durch die Menge. Es ist eine neue Motivation für mich, an den gerade erst gestarteten Läufern quasi vorbeizufliegen. Zum ersten mal merke ich, dass meine Zeit bis hierher auch nicht so schlecht ist, auch wenn ich überhaupt kein gutes Gefühl hatte. Also immer weiter laufen und zumindest bis zu nächsten Verpflegung bei km 37 durchhalten. Das schaffe ich tatsächlich und gehe kurz das erste mal. Der Blick auf die Uhr motiviert aber, und es geht schnell zurück ins Laufen. Ist heute doch noch eine gute Zeit zu schaffen, frage ich mich, als es nochmal sehr steil bergab geht und die Hüfte gefühlt brennt. Immerhin geht es ab km 38 wieder bergauf, aber wie schnell werde ich die letzten vier Kilometer noch schaffen können? Ich versuche einfach, die letzten Reserven zu mobilisieren und gebe alles! Immer noch kann ich die Run-Fun-Läufer und auch einige Marathonis überholen, was mich zusätzlich motiviert. Nur noch drei Kilometer, zwei Kilometer und schon geht es auf den letzten Kilometer! Der Blick auf die Uhr ist vielversprechend, nur noch zwei Kurven, das Ziel kommt in Sichtweite!

Das Zielfoto sagt, glaube ich, mehr als alle Worte bisher. Ich kann es gar nicht glauben, als ich auf meine Uhr schaue: 3 Stunden, 10 Minuten, 45 Sekunden. Wie konnte ich heute nur eine neue Bestzeit laufen? Das harte Training hat sich wohl doch ausgezahlt, auch wenn es sich heute überhaupt nicht danach angefühlt hat. Beim Blick auf die offiziellen Ergebnisse gibt es dann die nächste Überraschung, die Zeit hat zum dritten Platz in meiner Altersklasse gereicht!

Jetzt bin ich allerdings fertig für heute und möchte mich nicht mehr bewegen. Ein Glück, dass unser Auto nicht weit vom Ziel steht. Auf dem Rückweg meint Isi nur zu mir, sie dachte schon bei km16, dass ich heute nichts ins Ziel komme, so wie es mir ging. Aber es hat sich gezeigt, Laufen ist doch auch Kopfsache und heute hat der Kopf gegen den Körper gesiegt.

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