Wenn es weh tut: lebst du!

Eigentlich hätte heute die Revanche der Bad-Mergentheim-Challenge über die Bühne gehen sollen. Leider wurde der Halbmarathon schon vor Wochen wegen der Pandemie abgesagt. Da hat Andi die Idee, wir könnten doch in der Waldstadt selbst einen Halbmarathon veranstalten. Ich bin davon begeistert - leider lässt sich vom Lauftreff sonst nur noch Hannes anstecken. Kein Wunder: er braucht noch einen langen Lauf als Vorbereitung für den Iron Run in Ischgl, wo er sich wieder einmal für die lange Distanz angemeldet hat...

Wir treffen pünktlich am Waldparkplatz ein, tragen die Utensilien zum Rundkurs durch den Wald, wo wir sie zur Verpflegungsstelle aufbauen: ein kleiner Tisch, ein Camping-Hocker, auf dem Tisch Obst, Schokolade, Salzstangen, Nüsse und Getränke und auf dem Hocker Isi, die uns betreuen wird. Dann gehen wir einen Kilometer zurück zum Start, damit wir einen Kilometer und fünf Runden à 4 Kilometer rennen können, wobei Hannes so klug ist, seine Uhr gleich einzuschalten, damit ihm auch dieser Kilometer gutgeschrieben wird. Ich recke meine Handpistole in die Luft und gebe den Startschuss. Den ersten Kilometer hänge ich die beiden mühelos ab und laufe einen Vorsprung von gut 400 Metern heraus, den ich dann verschenke, um bei Isi Schokolade zu essen und zu tratschen. Schon dreimal wurde sie gefragt, was sie da tut. Ein Mann mit Terrier fragt hartnäckig nach. "Wir sind vom Lauftreff", sagt Isi, "und machen hier ein Rennen. Ich bin die Verpflegungsstation." Der Mann hakt nach: "Vom Lauftreff Mosbach?" Isi erwidert: "Nein! Asbach!" Der Mann weiß Bescheid: "Ach, das sind die aus Mörtelstein!"

Das Rennen geht weiter und Andi spurtet davon. In seiner Weltklasseform sind Hannes und ich nur Statisten in diesem Rennen. Nach einer leichten Steigung geht es immer schön bergab und ich nehme gutes Tempo auf, bis ich zu zweifeln beginne: immer nur bergab, das kann ja nicht sein? Kaum so gedacht, biege ich um die nächste Kurve und sehe den ersten heftigen Anstieg vor mir. Ich packe ihn im Rennen, aber dann bin ich so außer Atem, dass ich erst einmal ein Stück gehen muss. In der zweiten Runde mache ich es dann anders herum. In der dritten Runde wird es dann wohl soweit sein, dass ich überrundet werde, aber ich schaffe es wieder bis zum Anstieg, bis ich beim Rückwärtsblick Andi schon winken sehe. Ich mobilisiere noch einmal alle Kräfte, aber bei km 12,6 hat er mich eingeholt. Ich stelle zwar meinen ganzen Körper in den Weg, aber da hätte es einen Chiel

lini oder zumindest einen Bonucci gebraucht, um ihn am Überholen zu hindern. Immerhin kann ich bei km 16 dann selbst einen Läufer überrunden; Andi ist ein Stückweit mit Hannes reduziertes Tempo gerannt, dann, als er meinen Atem im Nacken spürt, rennt er wieder los, denn er muss ja vor meiner letzten Runde im Ziel sein. Er läuft einen Vorsprung von gut 400 Metern heraus, ruft von weitem: "Und das Publikum jubelt!" und gehorsam springt Isi vom Stuhl und klatscht. Dafür lasse ich mir dann einen Becher mit Bier füllen, ehe ich auf die letzte Runde gehe, während Andi auf Hannes wartet, um ihn auf der nächsten Runde zu begleiten. Jetzt machen sich langsam die Schmerzen bemerkbar und mit jedem Schritt mehr tut ein weiteres Körperteil weh und ich spüre, wie lebendig ich noch bin. Dann kommt auch schon das Ziel und ich finishe mit 2:05 Stunden und bin sehr zufrieden. Nach einer halben Flasche Bier kommen auch Hannes und Andi ins Ziel und wir beschließen das Rennen. Auf dem Parkplatz trinken wir noch ein Bier, ehe es heim zum Duschen geht. Und wir sind uns einig: das schreit nach Wiederholung!


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