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Sehnsucht auf Berge

Am Freitag machen wir uns gut gelaunt auf den Weg: der Kleinbus findet den Weg fast schon von allein und so kommen wir staufrei in Ischgl an. Nach einer kurzen Pause wechseln wir auf den Linienbus, um in Galtür die Startunterlagen abzuholen. Dort gönnen wir uns ein Bier mit Bergblick und genießen das traumhafte Wetter, das unsere Vorfreude auf den Lauf steigert; allerdings wird unsere Vorfreude dadurch getrübt, dass es diesmal im Starterpaket Socken statt eines Laufshirts gibt. Dann gibt‘s nochmal große Augen, als wir auf den Streckenplänen sehen, dass im nächsten Jahr alles anders wird: andere Strecken, andere Streckenlängen, anderer Name. Von 17 bis 83 Kilometer winkt der Paznaun Ischgl Ultra Trail! Wir sind froh, dass wir den letzten Iron Run miterleben dürfen!

Es ist soweit: Bernd und ich starten mit einem frühen Frühstück, Silke sagt kurz „Hallo“, während der Spätstarter Hannes die Chance zum Ausschlafen nutzt. Dann treten Bernd und ich mit kribbelnder Vorfreude aus der Tür und stehen schon mitten auf dem Startplatz. Unser Plan lautet: den Lauf genießen und entspannt im Ziel ankommen. Deshalb überqueren wir als Letzte die Startlinie, überholen aber trotzdem bald die ersten Läufer*innen, obwohl es bis zur Heidelberger Hütte stetig bergauf geht und von dort zum Ritzenjoch gefühlt senkrecht nach oben. Bei herrlichem Wetter kommen wir gut voran und genießen die ausgelassene Stimmung an den Verpflegungsstationen. Vereinzelt treffen wir auf Wandersleut‘, die uns spontan applaudieren und aufmunternde Worte mit auf den Weg geben. Inzwischen geht es fast nur noch bergab: was ein Glück, denn je tiefer wir ins Tal kommen, desto wärmer wird es. Wir genießen jeden schattigen Streckenabschnitt. Die letzten zwei Kilometer fordern noch einmal alles von uns: denn die Akkus sind leer, aber wir hören schon die Lautsprecherdurchsagen im Ziel. Dann haben wir die 30 Kilometer in 5:44 Stunden geschafft und fallen uns im Ziel glücklich in die Arme. Silke hat die kleine Strecke (11 km) längst geschafft, duftet frisch geduscht und gratuliert uns. Nun heißt es, auf unseren letzten Starter zu warten: aber schließlich kommt auch Hannes, der erst spät auf die 19-km-Strecke ging, wohlbehalten im Ziel an. Im Überschwang unseres Erfolges geloben wir, auch im nächsten Jahr wieder an den Start zu gehen. Mit dem Bus-Shuttle fahren wir nach Ischgl zurück, wo uns schon die laute Musik aus dem Kuhstall erwartet, aber wir lassen den Abend lieber gemütlich und ruhig ausklingen.

Damit sich die lange Anreise lohnt, hängen wir noch zwei Urlaubstage an: die haben wir uns nach unseren sportlichen Leistungen redlich verdient. Bevor wir die Seilbahn in Ischgl nutzen, muss sich Hannes erst einmal eine kurze Hose kaufen, da er nicht mit solchem Traumwetter gerechnet hatte. Wir wandern von Alm zu Alm, um das Bergpanorama zu genießen und bisweilen auszuprobieren, ob Schnaps auch ohne Gipfelkreuz schmeckt. Abends lassen wir den Wandertag bei einer Flasche Rotwein auf dem Bänkchen vor unserer Pension ausklingen. Am Abreisetag gönnen wir uns noch die Serpentinen hoch zum Silvretta-Stausee: tolle Wasserfarben vor imposanter Bergkulisse. Damit auch die Heimfahrt nicht ohne Highlight bleibt, planen wir eine Führung mit Verkostung bei einer Schnapsbrennerei am Bodensee ein. Spätestens jetzt ist uns klar: Ultratrail, du schreckst uns nicht! Wir kommen wieder!

(Text von Michaela)


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