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Endlich einmal Besenwagen!

Kurz nach acht Uhr sind wir schon in Mudau und freuen uns auf den Lauf - es ist ungewöhnlich warm, ein Föhnwind weht und wir sitzen vor der Sporthalle, trinken Kaffee und essen ein Wurstbrötchen: Flo, der heute Generalprobe für seinen nächsten Marathon rennt und unter zwei Stunden bleiben will, meine Ambitionen sind deutlich geringer, und Carina, die wir nach überzeugendem Zureden auf die 5-km-Strecke schicken. Die Zeit bis zum Start vergeht wie im Flug, dann ertönt schon der Startschuss, und ausgangs des Stadion sehen wir plötzlich weitere Asbacher, die uns laut zujubeln.

Heute läuft es nicht so gut bei mir, schon nach ein paar hundert Metern muss ich Flo ziehen lassen - und als ich noch vor dem zweiten Kilometer bergauf von Maren überholt werde, setze ich mir ein neues Ziel: heute könnte ich doch tatsächlich mal als Letzter über die Ziellinie gehen! Im Geiste gehe ich schon die Überschrift und die ersten Textzeilen durch. Gute Vorzeichen gibt es genug: heute Nacht habe ich schlecht geschlafen, bin stündlich aufgewacht mit Durst und schmerzenden Gelenken. Und letzte Woche hatte ich noch einen Magen-Darm-Infekt! Genug Ausreden also für den letzten Platz. Bei Kilometer 6 habe ich nur noch sechs Läufer*innen hinter mir, bei Kilometer 9 sind es nur noch zwei. Aber die beiden kommen einfach nicht näher! Inzwischen bin ich ganz allein auf der Strecke, genieße die Aussicht, das Wetter weniger, denn es hat meistens einen heftigen Gegenwind. An den Getränkestationen scherze ich mit den einsamen Streckenposten. Ab km 13 bin ich Vorletzter.

Inzwischen fühle ich mich nicht mehr so gut, und als ich km 14 passiere, merke ich, dass mein Kreislauf langsam in die Knie sackt. An einer Kurve im Schatten steht eine Bank, ich blicke zurück und sehe nicht weit hinter mir die letzte Läuferin und den Besenwagen. Das ist die Lösung. Ich setze mich hin. Als die Läuferin vorbeikommt, sagt sie: "Komm mit mir, ich geh ganz langsam." Ich erwidere frohgemut: "Für mich heißt's, auf der Strecke sterben oder alt werden; ich werde lieber alt." Als der Wagen des Bauhofs kommt, um die Streckenmarkierung abzubauen, will ich aufstehen, aber mir wird so schummrig, dass ich mich gleich wieder setze. "Kann ich mit euch mitfahren?" Aber die zwei rufen lieber den Rot-Kreuz-Wagen: angeblich sähe ich so grau aus im Gesicht. Immerhin bleiben sie bei mir, bis der Rotkreuzwagen kommt. Sofort bekomme ich etwas zu trinken und der Puls wird gemessen, aber der ist wieder normal. Weil mir fröstelt, suchen sie nach einer Goldfolie und gleich wird mir schön warm. Dann fahren wir die Wirtschaftswege Richtung Mudau. Als wir auf das Gelände der Sportanlagen einbiegen, frage ich, "könnt ihr das Blaulicht anmachen?" Leider tun sie es nicht. Dann laufe ich mit meiner Goldfolie durch die Menschenmassen und lasse mich von den Asbachern bemitleiden und bekümmern, was sehr gut tut, und ertrage mit Humor den Spott: "Du siehst aus wie ein Ferrero Rocher." Als ich dann geduscht habe, geht's mir schon viel besser. Alle anderen sind mit ihren Laufergebnissen zufrieden und ich habe etwas zu erzählen.




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