Liveticker: Andi rennt den Chiemgauer 100.

Aktualisiert: Aug 2

Es ist soweit: Andi ist auf der Strecke. 100 km in den Bergen rennen. Hier im Liveticker

könnt ihr stündlich verfolgen, wie es ihm geht und ob er es packt.


Gute Nachrichten: Andi bleibt in der Wertung, wird aber zu einer Zeitstrafe von 30 Minuten verdonnert. Damit können wir leben.

Wieso "wir"? Der ganze Lauftreff Asbach ist stolz auf seinen Laufhelden. Wer ein bisschen Ahnung hat vom Laufen oder von den Bergen oder vom heutigen Wetter, der kann nur ehrfürchtig da stehen und den Kopf verneigen.

Das war es dann mit dem Liveticker. Wir entschuldigen uns für das dreistündige Funkloch heute vormittag, dafür wurde es in den letzten Stunden dann so richtig spannend und dramatisch. Vielen Dank für's Lesen und Mitfiebern...

Eigentlich schreit das heutige Erlebnis nach einer Wiederholung...

Ich mach jetzt Feierabend. Gut Nacht und gebt auf euch Acht!


BREAKING NEWS: ANDI IST IM ZIEL!

Jetzt heißt es abwarten: Andi wird offenbar nicht disqualifiziert, aber er erhält eine Zeitstrafe. Deshalb können wir momentan noch nicht sagen, mit welcher Laufzeit er gewertet wird und welchen Platz er im Klassement einnehmen wird. Seine eigene Uhr zeigt für die 100 Kilometer 16:22,14 Stunden auf der Uhr.


21.17 Uhr (Echtzeit)

"Was ein krasser Scheiß hier! Ich kann das Ziel sehen! Es blitzt, donnert, regnet um mich herum! Brutal!

400 Meter - die werde ich noch überleben!

Dadurch, dass ich jetzt auf der Straße gelaufen bin, war ich weg von der offiziellen Strecke - mal schauen, was sie sagen, ob sie mich disqualifizieren oder nicht."

Das ist uns ganz egal, wie die Rennleitung entscheidet - 100 gerannte Kilometer sind 100 gerannte Kilometer. Das soll Andi erst einmal einer nachmachen. In unserer Hall of Fame zählen die 100 Kilometer jedenfalls!


21.11 Uhr (Echtzeit)

"Noch 1,4 Kilometer! Ich laufe hier neben Isi und ihrem Auto her - das eine Gewitter zieht vorbei, das andere kommt erst noch. Hoffentlich hält's jetzt noch fünf Minuten. Krasser Scheiß hier, he!" Nanana... Kinder, bitte wegsehen! "Es blitzt auf der anderen Bergseite wie verrückt und hier kommt's schon wieder dunkel! Schnell Gas geben und nur noch ins Ziel rein!"


BREAKING NEWS: ANDI WIEDER AUF DER STRECKE UND GLEICH IM ZIEL!


BREAKING NEWS:

Isi ist mit ihrem Auto losgefahren und hat tatsächlich Andi gefunden - jetzt sitzt er bei ihr im Auto. Aber sobald das Wetter es zulässt, wird er weiter rennen! Heute purzeln die 100 Kilometer!


20.27 Uhr (Echtzeit)

"Auf dem Bild kommt es gar nicht richtig rüber, wie dunkel es wirklich ist", meldet sich Andi. "Ich bin gerade im Wald hier - es ist schon fast stockdunkel hier im Fichtenwald. Gleich 95 Kilometer! Über'm Hochfelln hab ich schon die ersten drei Blitze gesehen - und jetzt kracht es brutal. Ich schau jetzt, dass ich schnell hier aus dem Wald rauskomm' - bis zur Talstation der Unterbergbahn könnten es noch knapp zwei Kilometer sein. Dann muss ich schauen, ob ich weitermache." Konditionsmäßig sicher keine Frage, dass Andi die 100 heute schafft - oder geschafft hätte - je nachdem wie sich das Wetter verhält. Isi ist mittlerweile im Zielort ins Auto geflüchtet - denn dort regnet es bereits heftig.


Kaum bin ich mit meinem Text fertig, trudeln die nächsten Sprachnachrichten von Andi ein: "So - von wegen, ich komme trocken und ohne Gewitter durch. Jetzt gewittert und kracht's gerade überall im ganzen Tal. Mega-dunkel. Alle paar Sekunden siehst du einen Blitz - und hörst den Donner. Hoffentlich haben es alle geschafft, sich irgendwo unterzustellen und sich in Sicherheit zu bringen. Jetzt ist echt höchste Gefahr hier überall." Auf der letzten Sprachnachricht höre ich nichts - keine Schritte, kein Atmen, nur das Prasseln von Regen und das Donnerrollen. Das lässt mich hoffen, dass Andi sich untergestellt hat und das weitere Wetter abwartet. Er hat ja noch viel Zeit bis zum Zielschluss!


19.42 Uhr (Echtzeit)

Eben mache ich es mir auf meinem Balkon bequem und will mir einen kühlen Schluck Bier genehmigen, da schrillt laut und unerbittlich mein Telefon. Wer stört mich denn jetzt samstags kurz vor acht?, denke ich wütend. Dann muss ich mich auch noch beeilen, dass ich ins Esszimmer komme, wo ich mein Telefon zuletzt abgelegt habe. Der kann was erleben... Huch! Es ist ja Andi, der mich anruft! Alles gut also. Er diktiert mir in mein Diktiergerät:

"Der Abstieg vom Hochfelln war nach dem Motto: Schnell gerannt - Gefahr gebannt! Drüben an der Chiemsee Seite zieht es jetzt brutal zu Richtung Hochfelln - alles total dunkel und ein permanentes Grollen des Gewitters. Deswegen hab ich jetzt schnell gemacht" (wie einfach das alles klingt...) "den schwierigen Steig schnell hinunter. Ich war jetzt eben an der Verpflegungsstelle 89, hab nochmal Wassermelone reingehauen, ein Gel, Magnesium - und jetzt geht's weiter, nur noch anderthalb Kilometer durch den Märchenwald runter und dann bin ich eigentlich fast schon wieder im Ort zurück. Dann kommt noch einmal ein letzter Gegenanstieg von 2, 3, 400 Höhenmetern. Und dann ist Endspurt angesagt. Nicht mehr lange!"

Wir plaudern noch ein wenig - und wie sollte es anders sein, Andi hadert schon ein bisschen, weil er seine Wunschzeit nicht wird erreichen können. Zeit ist egal, rufe ich, die 100 Kilometer sind das Ziel! Außerdem ist er im Klassement momentan auf Platz 25 - das gefällt ihm dann wieder, denn damit war nicht zu rechnen. Bevor ihm über der Plauderei die Puste ausgeht, befehle ich, dass er auflegen und lieber atmen soll - ich will heute ja auch irgendwann einmal Feierabend haben... :D



19.00 Uhr (Echtzeit)

"Es ist vollbracht!" Was für ein historisches Zitat, Andi... "Ich bin oben! Jihaaa!" Okay - aber der Gipfel ist bezwungen, noch nicht die 100 Kilometer! Also weiterhin: Alles geben! Aber lassen wir wieder den atemlosen Andi zu Wort kommen: "Nochmal kurz was gegessen und getrunken und jetzt geht's schnell runter, denn hier, wie auf dem Bild zu erkennen, schlägt das Wetter jetzt doch um. Mit dem ersten Donnergrollen war ich oben - und jetzt hat es schon ein paarmal gekracht." Also dieses Rennen ist an Dramatik wirklich nicht mehr zu überbieten! Oder was meint ihr?

"Von daher - jetzt drei ziemlich steile Kilometer hinab ins Tal - nochmal volle Konzentration und noch einmal alles herausholen. Ich muss dabei aber auch saumäßig aufpassen, nicht über einen Stein fliegen - das wär ein denkbar schlechtes Timing!" Mir fehlen weitere Worte...



17.09 Uhr (Echtzeit)

"Update nach über 12 Stunden: Keine Ahnung, 78einhalb Kilometer oder so, jetzt knallt noch einmal die Sonne herunter - es ist gnadenlos", meldet meldet sich Andi von der Strecke. Jetzt klingt seine Stimme erstmals angestrengt - aber irgendwann muss sogar unser Laufheld mal ein bisschen Erschöpfung zeigen! "Selbst im Wald, im Schatten, steht die Abendhitze, es ist schwül, wahrlich nicht angenehm. Nachdem die ersten 30 Kilometer heute quasi zum Warmwerden waren, dann 50 Kilometer Pflicht, kommt jetzt gleich bei Kilometer 80 noch einmal eine Verpflegungsstation - da muss ich schauen, dass ich noch einmal ordentlich Energie kriege - denn dann kommen die letzten 20 Kilometer. Diese sind" (er stöhnt) "quasi Kür und Qual zusammen. Immerhin habe ich gleich die Chance, bei 80 abzubiegen und bei Kilometer 85 ins Ziel zu kommen." Andi! Du wirst doch nicht etwa aufgeben wollen! "Aber das ist heute eigentlich keine Option." Na, da bin ich aber ehrlich erleichtert! "Also geht's jetzt noch einmal auf den längsten Anstieg: 900 Meter komplett bis zum Hochfelln hoch. Das ist jetzt einfach nur noch: quälen. Und dann ist es drüben vermutlich sausteil - sakrisch schwer - wieder bergab. Da ist dann noch einmal volle Konzentration gefragt. Keine Ahnung, wie lang ich dann dafür brauchen werde." Keine Bange, Andi, wir harren aus! "Und ich weiß auch nicht, ob ich oben auf dem Hochfelln Netz habe - ich versuch, mich zu melden!" Und wir können ja immer noch den Livetracker verfolgen...

Da kommt noch ein kurzes Update um 17.34 Uhr hinterher: "12:35 Stunden - jetzt geht's so richtig in den Anstieg. Die Verpflegungsstelle bei Kilometer 80 ist geschafft - nochmal gut gestärkt - ein halbes alkoholfreies Bier weggehauen - jetzt heißt's quälen, quälen, quälen..." Das bringt mich auf die Idee, jetzt ein kühles Bier aus dem Kühlschrank zu holen!




16.04 Uhr (Echtzeit)

"Elf Stunden sind geschafft!" Andi ist die Erleichterung anzuhören! "Ich müsste in gut 500 Metern die Verpflegungsstelle bei Kilometer 72 erreichen. Gerade eben hatte ich wieder ein so tolles Erlebnis: Nachdem ich mich auf und ab gekämpft habe in Richtung Maria Eck, steht eine Frau hinter einer Scheune und weist die Läufer darauf hin, dass es fünf Meter weiter links versteckt auf einem Privatgrundstück einen wunderbaren Brunnen gibt, den man gern benutzen darf. Mensch, war das schön! Kaltes Wasser für die Beine, über den Kopf. Was für eine Erfrischung!" Wie bescheiden ein Mensch wird und sich über die kleinsten Dinge im Leben freut - vielleicht sollten wir alle mehr Strapazen in den Bergen auf uns nehmen, meint der kleine Philosoph am Rande...

"Denn die Sonne brennt gerade gnadenlos - das ist echt brutal. Ich will gar nicht wissen, wieviel Läufer heute schon ausgeschieden sind. Jetzt werde ich mich gleich mal gut verpflegen: essen, trinken an der Verpflegungsstelle - dann geht es weitere acht Kilometer hoffentlich recht flach zum nächsten Checkpoint in Egg bei Kilometer 80. Dort ist dann die Cut-off-Zeit bei 19.15 Uhr. Das sollte ich im Normalfall gut erreichen können. Also es sieht gut aus: LÄUFT HEUTE! Kurz vor der Verpflegungsstelle in Maria Eck kommt mir gerade ein Fahrradfahrer entgegen, um meine Bestellung aufzunehmen. Wie geil ist das!

Jetzt habe ich mich nochmal super gut versorgt - mega nette Leute - hab nochmal ein Gel gegessen, Melone, Gurke mit ganz, ganz viel Salz, Cola, Iso - und jetzt geht's dann mal wieder weiter. Eben hab ich mich aber nochmal kurz an einer Wassertonne geduscht. Jetzt seh ich gerade nach vorne nach Ruhpolding, da geht's jetzt erstmal im Auf und Ab hin - bis Kilometer 80.



15.01 Uhr (Echtzeit)

"Nach über 60 Kilometer habe ich jetzt an der Mittelstation bei Isi erst einmal mein Schuhwerk ausgetauscht. Es fühlt sich gleich wieder ganz anders an", ist Andi erleichtert. "Dazu gab's ein kaltes Kaktuseis - das Gefühl auf einen Absacker." Wie meint das Andi bloß? Vermutlich freut er sich jetzt schon auf einen Gebirgsschnaps im Ziel...

"Jetzt geht's hier gerade mal entspannt auf einem Forstweg weiter, bevor es dann wieder einen steilen Abstieg geben wird. Aktuell bin ich von meinem Rennplan her eigentlich ziemlich gut im Tempo, so dass ich eigentlich fest davon ausgehe, dass ich das Tempolimit, also die Cut-Zeit, bei Kilometer 80 gut schaffen werde." Das hören wir gern! Applaus! Applaus! "Das Wetter hat sich mittlerweile auch gemacht: vorhin war's mal ein bisschen windig, dann sind ein paar Wolken aufgezogen - auch ein paar dunkle -, was eigentlich ganz schön war, aber jetzt hat sich alles schon wieder verzogen, so dass ich denke, dass das Wetter heute halten wird und kein Gewitter kommt." Dafür drücken wir natürlich ganz fest die Daumen!!


14.33 Uhr (Echtzeit)

"Danach ging's dann leider relativ eintönig", knüpft Andi direkt an seine letzte Meldung an, "über eine Forststraße weiter zur Jochbergalm, wo bei Kilometer 52 die nächste Verpflegung war, wo das schöne Foto von mir gemacht wurde" (siehe vorherigen Beitrag). "Danach ging es wieder weiter hoch, aber jetzt befinde ich mich zum Glück wieder beim Abstieg." Ich gönne mir inzwischen mal ein Bier, denn allein das Geräusch von Andis rennenden Schritten auf den Sprachnachrichten machen mir Durst... "Zu Beginn war es ein richtig schöner Trail, anspruchsvoll, da konnte ich nicht so schnell machen, aber jetzt bin ich wieder auf dem Forstweg angekommen, und ich gehe mal davon aus, dass bis zur nächsten Verpflegungsstelle bei Kilometer 61 schön diesen Forstweg hinunter geht, so dass ich jetzt hoffentlich relativ gemütlich" (die Geräusche sprechen eine andere Sprache) "und zügig mit 5:30 bis 6:00 runterkomme" (sag ich doch: von wegen gemütlich - dieses Tempo schaffe ich nicht einmal eben im Training!).

Andi fährt fort, jetzt schon etwas mehr aus der Puste, im Hintergrund jetzt langsame Tritte: "Erst ging's also schön den Forstweg hinunter: ich konnte richtig Tempo machen. Es lief wunderbar. Dann hatte ich großes Glück: ich hab die Bergwacht getroffen - die waren

wandern mit Kindern - und hab gefragt und tatsächlich, in den Untiefen des Rettungssäckchens hat sich eine Allergietablette gefunden! Unter dem Jubel der Kinder laufe ich dann weiter und fliege förmlich die Forststraße weiter runter bis zu Kilometer 61, wo wieder eine wirklich gute Verpflegungsstelle ist." Hier muss ich mir vor lauter Rührung über den Kinderjubel schier eine Träne aus dem Augenwinkel tupfen. Aber nicht ablenken: "Pizza, Brezel, Energiegel, Salz; ich trinke Iso, Cola, Wasser; Melonen! Und dann geht's auch schon weiter. Ich habe jetzt schon fast einen megasteilen Anstieg hinter mir hoch zur Mittelstation des Hochfelln. Das war einfach brutal: es ging megasteil die Skipiste hoch - und das in der prallen Sonne und in der vollen Mittagshitze." Da habe ich fast ein schlechtes Gewissen, dass bei mir am Schreibtisch der große Ventilator seine Kreise zieht... Jetzt müsste eigentlich gleich die Mittelstation in Sicht kommen und ich weiß: Da wartet Isi und da gibt's erstmal ein kaltes Eis!"


13.32 Uhr (Echtzeit!)

"Juhu! Ich hab LTE!", freut sich Andi. "Jetzt geht es gerade bergab, aber jetzt werde ich extra gehen für meine Nachricht." Danke, Andi, dann verstehe ich dich besser, weil das Keuchen nicht so heftig ist. Nein... Spaß gemacht... Also weiter: "Update: Ich habe achteinhalb Stunden auf der Uhr - und 57 Kilometer. Es läuft gerade hervorragend." Naja - "es läuft"? - wohl eher: Andi läuft! Wie heißt nochmal der bekannte Spruch? Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft - Andi läuft schneller...

"Bei sieben Stunden war ich bei Kilometer 47 an der Röthelmoos. Dort habe ich erstmal schön Pause gemacht, Isi war auch da. Da gab es wieder super Verpflegung. Das einzige, was sie nicht hatten, war eine Allergietablette, was ziemlich doof ist, da ich bei den engen Wegen ziemlich viel Grünzeug mitgenommen habe und darauf ziemlich allergisch reagiere und die Füße, die Knie ziemlich jucken."

Dazu passt jetzt doch ein Spruch, den ich im Kurzfilm "Butterfly Circus" aufgeschnappt habe: "Je größer die Anstrengung, desto größer der Triumph."



13.18 Uhr (11.50 Uhr)

Jetzt erreicht mich auch Isi: "Die Sprachnachricht ist von 11.50 Uhr. Da gibt es einfach echt überhaupt kein Netz." Aber ich denke, wir schlagen uns bisher ganz wacker mit dem Liveticker - natürlich nicht zu vergleichen, wie sich Andi schlägt!! Und was wollte er uns schon kurz vor 12 mitteilen?


"Kein Netz, kein Netz, überhaupt kein Netz hier. Nach sechs Stunden war ich also nach einem brutalen Anstieg also auf der Hörndlswand und danach auch wieder ein brutal steiler Abstieg, blöderweise auch durch ziemlich viel Grünzeug - ich habe meine Allergietablette nicht dabei, weshalb ich jetzt viele rote Punkte an den Beinen habe, die ziemlich jucken. Ich hoffe mal, es geht trotzdem weiter. Jetzt nach knapp sieben Stunden bin ich bei Kilometer 47 an der Verpflegungsstelle, ich hab mich gut verpflegt, Isi hat mir ein Cola gebracht - und jetzt geht's weiter. Ich hoffe mal, dass ich spätestens bei Kilometer 65 wieder Netz habe und mich melden kann. Das wird dann aber vermutlich erst gegen 14.30 Uhr oder 15 Uhr werden. Ciao!"

Ciao, Andi, und mach weiter so! Und ich nutze jetzt die Netzpause und mache mir ein leckeres Mittagessen. Wir lesen uns später!!


13.00 Uhr

Und jetzt höre ich nach langem und bangem Warten endlich auch wieder Andi Stimme als Sprachnachricht - aber vor allem kommt auch wieder ein Foto durch: und auf dem sieht er noch richtig gut aus! Aber überzeugt euch selbst...

Und das teilt er uns mit: "Ich versuch's mal, auch wenn das Netz gerade sehr schlecht ist. Ich bin jetzt knapp vor den sechs Stunden und hab die Hörndlwand bezwungen." Jippieh! Also knapp 43 Kilometer geschafft und jetzt geht es auf der anderen Seite gleich wieder runter. Der Anstieg war am Ende brutal: steile, kurze Tritte, große Stufen - in der prallen Sonne. Mensch, das war eine Plagerei! Ich hoffe, das Foto geht noch raus, denn es gab eine wirklich gute Verpflegungsstelle" (ja, das Foto kam an, wie ihr sehen könnt) "ich habe Iso bekommen, ein Gel genommen und jetzt geht es abwärts" (offenbar recht schnell, so wie sich die Schritte im Hintergrund der Nachricht anhören, da tun mir spontan meine eigenen Knie weh). "Unten wartet dann hoffentlich Isi mit einem Cola auf mich. Aber jetzt kommt ein anspruchsvoller Trail bergab, da konzentriere ich mich mal darauf." Go, Andi, go!!



12.56 Uhr (11.36 Uhr)

Endlich kommt eine SMS-Nachricht von Andi an mich durch (obwohl er sie schon um 11.36 Uhr abgeschickt hat). Es ist, wie ich vermutet habe: er hatte die ganze Zeit über kein Netz. Kein Wunder, wer verirrt sich schon da, wo er rennt... Er schreibt: "Isi wartet bei 6 Stunden und Kilometer 47 auf mich. Ich erreiche sie aber gerade nicht. Eventuell gibt's da kein Netz. Ist jetzt ziemlich abgelegen bis Kilometer 60." Also heißt es: sich in Geduld wiegen und warten, bis neue Nachrichten kommen. Solange er ja im Livetracker noch nicht durchgestrichen ist, ist er noch im Rennen!


10.09 Uhr

"Fünf Stunden sind rum - unglaublich, wie die Zeit vergeht!", teilt Andi mit. "Ich müsste so bei Kilometer 40 oder 40einhalb sein. Meiner Uhr fehlen leider ein paar Kilometer, sie ist heute leider nicht ganz so genau." Die wird vermutlich auch unter der Hitze leiden.

"Den Untersberg habe ich schon wieder hinter mir. Die letzten Meter waren richtig schön steil. Oben wurde es dann ein bisschen flacher und ich habe mich schon auf die schöne Verpflegungsstelle gefreut: das war leider ein kleiner Reinfall, zwei kleine Becher Wasser gab's, mehr leider nicht. Dafür ging's danach immer auch leicht bergab, immer weiter über schöne kleine Trails. Dann kam, wie in der Verpflegungsstelle angekündet, ein kleiner, feiner Wasserlauf mit einem Brunnen. Ich habe mich noch nie so sehr über so einen kleinen Wasserlauf oder Brunnen gefreut. Ich habe meine Wasserflasche aufgefüllt und dann erst mal Arme und Beine, oder eigentlich alles, so richtig schön abgekühlt. Die Sonne knallt jetzt ganz schön runter, wenn ich nicht gerade in einem Waldstück unterwegs bin. Ziemlich, ziemlich warm." Hier übrigens auch - aber ich sitze schön im Schatten in meinem Esszimmer... Jetzt geht's dann gleich noch einmal hoch auf die Hörndlwand, bevor es dann in einem steilen Abstieg runter geht Richtung Moosalm, wo dann hoffentlich wieder Isi auf mich wartet und mir mein bestelltes Cola reicht. Und wie du auf den Fotos siehst: Keine Wolke am Himmel, die Sonne knallt runter. Und hier oben werden die Bäume immer weniger. Es ist heiß." Au Backe!


9.03 Uhr

"Vier Stunden und 33,5 Kilometer sind geschafft", meldet Andi. Das war jetzt aber eine schnelle Runde! Ein Drittel der Strecke ist bezwungen! "Bei Kilometer 31 gab's im Startbereich eine schöne, große Verpflegung - mit allem, was das Herz begehrt! Obst, Gemüse, Salz, Wurst, Käse, Kuchen, Schokoladeriegel, Wasser, Cola, Bier. Jetzt habe ich mich erstmal ausgiebig verpflegt." Klingt ja fast wie im Schlaraffenland - wenn da halt nicht der kleine, aber hinderliche Umstand wäre, für dieses Buffet 100 Kilometer rennen zu müssen...

"Jetzt startet das Rennen eigentlich erst." Holla! "Die erste Schleife war von der Strecke und den Höhenmetern her eigentlich nur zum Warmwerden." Ich wäre jetzt schon tot... "Jetzt bin ich gerade im Anstieg zum Untersberg." Das höre ich am Knirschen der Schuhe im Kies und an Andi schwerem Atem... "Jetzt wird es auch richtig warm. Ich schwitze ohne Ende." Da ist es beruhigend zu wissen, dass nur noch zwei Drittel der Hitzeschlacht vor Andi liegen! Ach, da kommt noch ein Zusatz von Andi: "Mittlerweile habe ich schon fast 1200 Höhenmeter geschafft - immerhin auch schon ein Viertel der Höhenmeter." Dann schickt er mir noch ein Foto vom letzten Anstieg zum Untersberg mit dem lapidaren Kommentar "#steilistgeil". Naja...



8.14 Uhr

Andi meldet sich erneut: "Drei Stunden sind vorbei und 20 Kilometer sind geschafft!" Chapeau! Damit ist ein Fünftel der Strecke in einer guten Zeit bezwungen. Es sieht wirklich gut aus für Andi. "Ich bin schon auf dem Endspurt der ersten Schleife: noch sechs Kilometer bis zurück zum Stadion, wo dann hoffentlich auch Isi auf mich wartet. Ich laufe jetzt im Tal in der prallen Sonne: ziemlich brutal. Wenigstens laufe ich neben dem Fluss, der immerhin eine kühlende Wirkung hat. An der ersten Verpflegungsstelle bin ich inzwischen auch vorbei. Sie haben Wasser, immerhin gutes Iso, aber sonst leider nicht so viel. Mal sehn, wie es an den nächsten Verpflegungsstellen wird. Ich habe aber viel Gels und Riegel dabei: zum Glück habe ich viel eingekauft." Klingt nicht gerade nach einem Essen, mit dem ich tauschen wollte, klingt irgendwie nach Astronautenkost...

Wichtiger als das Essen ist aber, wie es Andi mental geht, und da höre ich natürlich gern folgende Worte von ihm: "Ansonsten bin ich noch topp motiviert. Der Abstieg hat mit schönen Trailpassagen wieder richtig Spaß gemacht. Nur jetzt im Tal zieht es sich ein bisschen lang hin; aber geht schon. Nach der Verpflegung im Start-/Zielbereich geht's dann flach weiter und dann kommen die ersten richtigen fetten Brocken" (Ich nehme mal an, mit diesen Brocken meint Andi heftige Anstiege...), "die dicken Anstiege" (sag ich doch!) "zuerst den Untersberg und dann die Hörndlswand; und spätestens in der Hörndlswand werde ich ungeschützt in der prallen Sonne sein. Da wird's dann richtig hart werden. Ich denke, dass ich von dort nach vier Stunden Laufzeit wieder berichten werde." Wir sind gespannt!


7.42 Uhr

Gute Nachrichten: Andi hat wieder Netz und ist immer noch auf der Strecke! Aber hört selbst:

"So, zwei Stunden und 17 Kilometer sind schon geschafft! Es läuft bis jetzt super!" Hoffentlich bleibt es so auch, aber hier an der Heimatfront zweifelt sowieso keiner am Erfolg. Auf den letzten neun Kilometern ging es endlich mehr auf Wanderwegen, davor waren es vor allem Forstwege. Es gab auch den ersten schnellen Abstieg: das hat richtig Spaß gemacht. Jetzt geht es im leichten Auf und Ab weiter Richtung Kaitlalm. Nur die Sonne... Punkt 6.10 Uhr kam sie in den Bergen raus: die ersten Strahlen haben mich durch die Bäume erreicht. Die Sonne wird mich den ganzen Tag begleiten und mein größter Feind sein." Naja, hoffentlich legt sich Andi mit diesem übermächtigen Feind nicht an...

Andi spricht weiter: "Und während viele daheim jetzt gerade erst aufstehen und beim Frühstück sitzen" (also ich habe den ersten meiner drei Kater bereits um 5.44 Uhr Futter gegeben...), "habe ich jetzt schon ein zweites kleines Frühstück genossen in Form eines Müsliriegels. Meine erste Trinkflasche, immerhin ein Dreiviertel Liter, ist auch schon leer. Ich bin froh, wenn auf den nächsten Kilometern endlich die erste Kontrolle- und Verpflegungsstelle kommt. Aktuell macht's aber richtig Spaß - was aber auch an der coolen Strecke liegt: eine megakleiner Pfad, ein leichtes Auf und Ab, immer wieder Wechsel zwischen Gehen und Rennen, richtig schön im Gelände."

Ich habe inzwischen sämtliche Rollos herunter gelassen, um die Sonne auszusperren - mir wird schon warm bei dem Gedanken, wie die Sonne unbarmherzig auf Andi niederknallt. Schade, dass nicht schon 11 Uhr ist, sonst würde ich mir jetzt einen Frühschoppen gönnen.




7.03 Uhr

Andi hat versucht, mich anzurufen. Leider habe ich den Anruf verpasst, da ich im Garten die Morgenfrische genutzt habe, Tomaten zu ernten und die Blumen zu gießen. Hier soll es ja auch eine Hitzeschlacht geben. Mein Rückruf bringt nichts ein: offenbar hat Andi momentan kein Netz. Schnell schaue ich im Streckentracking nach: Andi ist immer noch on tour. Eben hat er die Bichler Alm passiert. Ich hätte auch nichts anderes vermutet. Sobald er wieder Netz hat und wir in Kontakt kommen, gibt's Neuigkeiten.


6.02 Uhr


Meine Kaffeemaschine brummt, der Duft nach Kaffee zieht durch die Küche, da meldet sich Andi. Pling!, macht mein Handy. Stimmt, er müsst schon eine Stunde auf der Strecke sein. Ich öffne die Sprachnachricht. "Guten Morgen! So - die erste Stunde ist geschafft und auch schon die ersten neun Kilometer und 450 Höhenmeter. Der Start war hervorragend organisiert, denn es gibt ja Corona-Maßnahmen: der einzelne Startblock wurde aufgerufen, man ging zum Ausgang der Halle, die Nummer wurde notiert, dann ging man aus der Halle raus und durfte einfach frei losstarten. Es hat alles wunderbar funktioniert - alles mit Abstand - perfekt!"

Bevor ich ins Grübeln komme, wie die Menschen daheim immer laxer mit den Corona-Maßnahmen umgehen, höre ich lieber weiter, was Andi vom ersten Streckenabschnitt berichtet:

"Auf den ersten zwei Kilometern war es dann noch schön flach - aber ich habe schon gemerkt, es wird warm heute. Nach zweieinhalb Kilometern ist das Laufen dann schon wieder vorbei, denn es geht den ersten richtig knackigen Anstieg hoch. Nachdem der geschafft war, geht es jetzt hier im leichten Auf und Ab weiter. Gerade eben bin ich auch an einem schönen See vorbeigekommen. Ich habe schon überlegt, ob ich nicht noch eine Pause einlege und reinspringen soll, so warm wie es schon ist" (Nein! Auf keinen Fall!).

Vorgestern habe ich noch mit Andi gespöttelt, weil er lieber Eis und Schnee statt Hitze hätte, dass im Liveticker beides dramatisch ankommt, Schneesturm und Hitzeschlacht, und nun wissen wir es: "Das gibt heut echt eine brutale Hitzeschlacht!" Man darf gespannt sein...


4.30 Uhr

Andi ist auf dem Weg zum Start. Doch hört selbst, was er mitteilt:

"Einen wunderschönen guten Morgen! Es ist auf meiner Uhr genau 4.30 Uhr. Ich bin gerade aus dem Hotel raus und laufe jetzt gemütlich im Schein meiner Stirnlampe Richtung Start. Aktuell ist es angenehm und schön kühl. Die Wiesen sind alle noch ziemlich nass und feucht vom Tau. Sternenklare Nacht, leichter Wind: perfekte Bedingungen für den Start.

Was schätzt du wohl, was es bei mir heute zum Frühstück gab? Ich habe mich heute mal für etwas ganz Neues entschieden: Fisch aus der Dose, damit ich noch etwas Fett für den langen Tag habe. Dazu eine Semmel und Salz. Und dann genehmige ich mir zum Start noch eine Banane."

Also mir wird fast übel, wenn ich an Fisch mitten in der Nacht denke! Ansonsten höre ich neben Andi Worten auf der Sprachnachricht den Klang seiner Schritte: naja, wenn das gemütliches Tempo ist, wie wird es dann erst auf der Strecke? Also, good luck, Andi, und renn gut!


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