Lauferei statt Narretei

Aktualisiert: März 11

Es ist Faschingsdienstag. Es regnet schon den ganzen Tag über, mitunter schüttet es in Kübeln. Da könnte man fast Mitleid mit den Narren haben, die heute Straßenfasching feiern; ich habe Besseres zu tun: ich renoviere mein Esszimmer. Am frühen Nachmittag trudeln die ersten Absagen in der WhatsApp-Gruppe des Lauftreff ein. Ich habe auch nicht so recht Lust, immerhin auch Arbeit - aber dann, viertel vor fünf, reißen plötzlich die Wolken auf und die Sonne strahlt hindurch. Ich lasse meine alten Klamotten an, die ich zum Renovieren trage, schlüpfe in Laufschuhe und Laufjacke, setze mir eine Kappe auf und fahre flugs nach Asbach. Unterwegs frage ich mich, ob überhaupt jemand kommt. Ach was!, denke ich, Bruno und Elisabeth kommen bestimmt, dann walke ich heute eben mit ihnen.

Dann sitze ich im Auto auf dem Parkplatz vor der Sporthalle, sonnenbeschienen, mutterseelenallein, und als das Radio die Nachrichten sendet, nehme ich mein Schicksal an und renne allein los: über den alten Sportplatz zunächst einmal nach Daudenzell. Dort staunt Hannes in seiner Werkstatt nicht schlecht, als er mich allein sieht, aber ich brauche ja einen Zeugen; nachdem er ein Foto von mir gemacht hat, staunt er noch mehr, als ich das angebotene Bier ausschlage und mich wieder auf den Weg mache, der Sonne entgegen.

Kurz vor Aglasterhausen treffe ich auf einen Mann, der mit einem gefährlich dreinblickenden Hund am Wegrand wartet. Als ich vorbeilaufe, sage ich noch: "Braver Hund!", aber kaum bin ich zwanzig Meter gerannt, ruft der Mann laut: "Blacky!" Erschrocken drehe ich mich um, aber der Hund sitzt immer noch brav bei Fuß, der Mann winkt und lacht. So habe ich mich heute doch noch zum Narren gemacht! Von denen treffe ich in Aglasterhausen gerade genug, denn als ich die Festhalle passiere, ist gerade der Kinderfasching beendet, und ich bahne mir einen Weg durch die bunt kostümierten Eltern und Kinder, wobei die Erwachsenen deutlich aufgedrehter sind als ihre Sprösslinge...

Am Bahnhof vorbei geht es den Berg hinauf, an Daudenzell in großem Bogen vorbei, ehe ich es durch die alte Eisenbahnbrücke wieder betrete, wieder an Hannes' Werkstatt vorbei, der gerade mit einem Kunden vor dem Tor steht und ruft: "Sollen wir dich heimfahren?" Auf keinen Fall! "Nö!", rufe ich, "ich will heute noch die 10 km voll machen!" Nach einem heftigen Anstieg geht es wieder Richtung alten Sportplatz, begleitet vom Abendgeläut der Asbacher Kirchen, und dann bergab Richtung Parkplatz - von der Sonne sieht man nur noch das Abendglühen. Ich bin glücklich und zufrieden. Und mit dieser tapferen Einzelleistung habe ich mir sicher eine Nominierung für den BRUNO 2020 verdient...



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