Ohne Fleiß kein Preis. So ein Sch...!

Im Oktober ist es soweit. Mein neunter Marathon steht an. Muss. Denn bisher dachte ich, ich hätte schon neun und könnte für meinen Jubiläumslauf einen Klassiker planen. Aber vorher muss halt der neunte ran...

Am Sonntag läute ich also die heiße Phase meiner Marathon-Vorbereitung ein. Da passt es, dass wir in der Waldstadt den ersten Freestyle-Lauf planen (siehe vorherigen Blogbeitrag). Ich plane gemütliche 12 km mit Hannes - aber der bleibt fern. Dann hoffe ich, dass Andi schnelle Runden rennen möchte: aber er klebt an meiner Seite. Nichts zu machen. Dann halt doch 16 km und Schmerzen hinterher...

Heute sollen es also 30 km sein. Was gibt es Besseres im Urlaub zu tun! Ich fahre mit dem Auto nach Zwingenberg und stelle es am S-Bahnhof ab, um mich hinterher mit einem fetten Burger zu belohnen. Da gibt es nämlich einen genial guten Imbiss! Ich starte meine Zeit- und Streckenmessung an der Neckarbrücke und laufe los. Punkt acht Uhr. Als Zielzeit hat mir Andi 182 Minuten vorgegeben. Ganz schön ambitioniert! Dafür starte ich auch schon um 8 Uhr. Mein Rucksack ist sauschwer, weil ich genug Flüssigkeit und Nahrung eingepackt habe. Es geht angenehm und schnell voran, denn es ist noch kühl und schön flach am Neckar, und ich muss mich sogar bremsen. Schon ist Burg Zwingenberg passiert, Lindach grüßt vom anderen Ufer, Kröselbach lasse ich hinter mehr, dann ist auch schon Rockenau geschafft. Ich mache erste Trinkpause bei km 5 und mache ein Selfie - da macht mein Handy "Pling!" Andi, mein virtueller Coach (engl. für "Antreiber") meldet sich: "Jetzt müssten es 5 km sein." Stolz präsentiere ich ihm Foto und Zeit und er ist zufrieden und mahnt nicht mehr, sondern sendet immer "zwei Daumen hoch", wenn ich artig meine Zwischenzeiten durchgebe.

In Eberbach satteln am Campingplatz gerade zwei Radler ihre Räder, ein Ehepaar in bestem Alter, also so 60 plus, ich reiße meine Arme hoch, als ich vorbeirenne, und rufe: "Wer zuerst in Hirschhorn ist!" Ich ernte schallendes Gelächter. Immerhin holen sie mich erst nach einem Kilometer ein, ich drehe mich um und rufe: "Aber nur ganz knapp!" Diesmal spielt der Ehemann mit und ruft: "Nur ein hauchdünner Vorsprung!" Dabei sind es noch 7 km bis Hirschhorn... Bei km 10 gibt es die erste richtige Verpflegungspause, dann kurz vor Hirschhorn bei km 15,26 den Wechsel - noch geht alles gut, ich renne in gutem Tempo und habe flugs bereits die 20-km-Marke erreicht.

Aber danach werden die Beine immer schwerer und die Schmerzen nehmen zu - und zwar an ziemlich vielen Stellen am Körper. In einem Steinbruch nahe des Weges entdecke ich eine Madonnenstatue und schicke ein kurzes Stoßgebet zum Himmel: "Maria, hilf!" Hätte ich an ein Teelicht und ein Feuerzeug gedacht, hätte ich sogar eine Wunschkerze angezündet... Weiter geht's. Ich zähle die Kilometer rückwärts. Kurz nach Eberbach überhole ich ein Ehepaar, das einen Kinderwagen schiebt: beim Hineinblicken sehe ich zwei Zwergpinscher und rufe spontan: "Kann ich bis Rockenau mit den beiden tauschen?" Leider wieder nur Gelächter...

Schulterklopfen gibt es dann beim Naturfreundehaus kurz vor Zwingenberg. Im Biergarten sitzen Radler, die mich schon vor Eberbach überholt haben. "Mensch", ruft der eine, "du bist ja schneller als wir!" Nach einem kurzen Blick auf sein halbdolles Glas rufe ich: "Und ich bin vor euch in Zwingenberg!" Großes Hallo im ganzen Biergarten.

Aber ehrlich: ich muss beißen, beißen, beißen... Aber dann bin ich tatsächlich im Ziel und habe für über 30 km keine drei Stunden gebraucht. Aber ich war zu schnell: der Burger hat noch zu! Gibt's halt daheim das Bier und Spiegelei dazu... Und die Medaille vom Coach: "Gute Zeit 👍🏼"



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