Morgen geht's los!

Aktualisiert: Juli 31

Am 1. August 2020 startet der Chiemgauer 100. Mit am Start für den Lauftreff Asbach: Andi E. (29) aus München. Im Liveticker könnt ihr die letzten Tage vor dem Start verfolgen und dann am 1. August ab 6 Uhr stündlich, wie es Andi geht und wo er gerade läuft.


31. Juli 2020

Ich sitze auf meinem Balkon und kann mich kaum bewegen: es hat um 20 Uhr immer noch 31 Grad und eine Wespe hat mich vorhin im Garten in den rechten Fußspann gestochen. An Laufen mag ich momentan gar nicht denken. Wie Andi das morgen schaffen soll: 100 Kilometer bei der Hitze und dann auch noch bergauf! Ich weiß nicht, warum mir ständig Bilder von mittelalterlichen Folterkellern in den Sinn kommen...

Also gut: es wird langsam Ernst. Ernst macht sich bereit. Also Andi... Um 17.30 Uhr ging es mit der Nudelparty los. Trotz der gegenwärtigen Corona-Pandemie ist die Situation vor Ort sehr entspannt. Es gab eine gute Auswahl an verschiedenen Nudelgerichten, die nicht nur lecker waren, sondern was für Andi wichtig ist: "Nachschlag gab's zudem auch noch!"

Ansonsten ist das Hygienekonzept nicht viel anders, als wir es auch aus dem Alltag gewohnt sind. Es gibt ein Einbahnstraßen-System wie in Schule oder auf der Arbeit und man muss selbstverständlich eine Nasen-Mund-Bedeckung tragen beim Abholen der Startunterlagen oder beim Essen fassen.

Es ist eine bunt gemischte Truppe an Läufern, die sich morgen auf die Strecke begeben wird, teilt Andi mit. Alles dabei: von jung bis alt und von sportlich bis unsportlich - "zumindest auf den ersten Blick", meint Andi. Wir daheim gehen mal davon aus, dass Andi zur Gruppe jung und sportlich gehört...

Und was geht heute Abend noch? Gerd und ich sind heute 90 Kilometer Rad im Odenwald gefahren und empfehlen, noch den einen oder anderen Schoppen Wein zu trinken. Andi ist da etwas vernünftiger und hofft ganz bescheiden, dass er heute gut schlafen kann... Das hindert uns natürlich nicht daran, noch einen Schoppen einzuschenken...


30. Juli 2020

Es sind die Hundstage. Asbach 18 Uhr: es startet ein kleines Trüpplein Asbacher Lauftreffler bei 31 Grad Hitze im Schatten. Zwei Walker, drei Läufer und zwei Radbegleiter. Leider haben die Radbegleiter kein gekühltes Bierfässchen dabei, was wir nach zwei Dritteln der Strecke enttäuscht bemerken. Natürlich ist Andis bevorstehende Tortour eines unserer Gesprächsthemen. Wird er es diesmal schaffen - auch noch bei dieser Hitze? Bernd ist davon überzeugt: "Diesmal klappt es vor allem, weil es mental stimmt." Er schätzt dabei Isis Mitwirkung hoch ein: "Sie hat ihn lassen." Mit anderen Worten: seine Ehefrau hat ihn unterstützt und ihm die vielen Laufkilometer Freiraum gelassen. "Außerdem will sie es selbst, dass er es schafft!" Auch Michaela rechnet fest damit, dass es Andi ins Ziel schafft. "Das Training stimmt einfach: was er an Strecke und an Höhe gepackt hat!" Gerd dagegen wiederholt mahnend seine Worte: "Disziplin und Respekt!" Da muss ihm Andi aus der Ferne Recht geben: "Gerds Ratschläge sollte ich unbedingt beachten, schließlich weiß Gerd aus Erfahrung, wovon er spricht."

Ansonsten ist Andi bereits mit Packen beschäftigt. Es will genau überlegt sein, was in den Rucksack kommt, den er 100 Kilometer auf dem Buckel mit sich schleppen wird. Diesmal wird es weniger sein als sonst, da die Strecke weder hochalpin ist noch viel als Pflichtausrüstung vorgeschrieben ist. Hauptsächlich Essen und Trinken wird ins Ränzel gepackt, Gels und Riegel vor allem, ein Trinkbecher, eine Essensschale, Mütze, Sonnenbrille und Sonnencreme - wen wundert's angesichts der Wetteraussichten! Morgen mittag ist dann schon die Anreise. Um 17.30 Uhr startet die Nudelparty, um noch einmal kräftig Kohlenhydrate zu bunkern, wobei nicht viel Zeit dafür bleibt, denn schon um 18 Uhr findet das Briefing statt. Danach geht es auch gleich zurück ins Hotel. Dort wird Andi nochmal (und nochmal) den Rucksack prüfen, ob er an alles gedacht hat, seine Streckenplanung das hundertste Mal anschauen - und dann geht's früh ins Bett, um wenigstens ein paar Stunden zu schlafen: denn um vier Uhr früh klingelt unbarmherzig der Wecker.

Und wie wird sich Andi belohnen, wenn er es dieses Mal schafft und im Ziel die Arme hochreißen kann? "Gute Frage", meint er wortkarg wie üblich, "ankommen reicht eigentlich als Belohnung schon aus." Dann feiern halt wir Leser!


29. Juli 2020

100 Kilometer rennen - das kann ich mir nur schwer vorstellen. Vor allem: was geht dir dann alles durch den Kopf? Fokussieren sich die Gedanken dann nicht sehr schnell auf das kleine Reißen im Knie oder das Zwicken in der Wade? Andi hört deshalb beim Laufen normalerweise Musik. Bei einem Berglauf ist ihm das aber nicht so wichtig. "Durch das viele Auf und Ab und die herrliche Landschaft und immer neue Ausblicke bin ich abgelenkt genug", meint er. Und wenn dann plötzlich doch ein Durchhänger droht? Oder wenn die kritische Stelle kommt, an der er die letzten beiden Versuche abbrechen musste? "Mein Ziel ist: anzukommen!", sagt er selbstbewusst und fügt noch hinzu: "Dafür werde ich alles geben!"

Was für einen Rat gibt ihm Gerd S., ein erfolgreicher Ultra-Läufer des Lauftreff, der immerhin schon fünf 100-km-Läufe erfolgreich bestanden hat? "Du brauchst Disziplin und Respekt", meint Gerd. "Disziplin: also nicht am Anfang vor lauter Begeisterung losrennen und über-pacen - dann reicht die Kraft nicht. Und vor allem Respekt vor den 100 Kilometern: die kannst du nur bezwingen, wenn du sie ernst nimmst!"

Das Wetter wird einer der Gründe sein, dass Andi von Anfang an mit seinen Kräften haushalten wird (und muss). "Ausgerechnet in dieser Woche kommt der Sommer so richtig auf Touren", klagt Andi. "Der Samstag wird sogar der wärmste Tag mit aktuell gemeldeten 31 Grad. So richtig vorbereiten kann man sich auf solche Hitze nicht. Ich werde aber die Strecke und meine bisherige Zeitplanung noch einmal genau anschauen müssen, um zu sehen, wie viele Getränke ich mitnehmen sollte zwischen zwei Verpflegungsstellen. Mein Rucksack dürfte auf jeden Fall etwas schwerer werden, als ich eigentlich geplant hatte."

Bei all diesen Gedanken und Unwägbarkeiten - wie sieht wohl momentan Andis Gemütslage aus, drei Tage vor dem Start? "Vorfreude", meint er lakonisch.


28. Juli 2020

Die gute Nachricht zuerst: Andi kann nachts noch ruhig schlafen. "Natürlich, noch sind es ja einige Tage bis zum Start", meint er lakonisch. Diese Ruhe möchte ich haben! Andererseits kann ein bisschen Adrenalin nicht schaden, um in die richtige Wettkampfstimmung zu kommen. Für einen kleinen Adrenalinschub sorgt immerhin der gelegentliche Blick auf's rechte Knie: das hat sich Andi nämlich sonntags beim letzten Bergtraining heftig angestoßen. Es war ziemlich dick angeschwollen - inzwischen hat es die Farben des Regenbogens durchlaufen und ist weniger dick als noch vor zwei Tagen. Es besteht also Hoffnung, dass das Knie bis Samstag früh wieder ganz das alte ist.

Kein Wunder, dass mittlerweile das Laufen ruht und Andi die knapp vier Kilometer bis zum Arbeitsplatz lieber gelenkschonend mit dem Fahrrad zurücklegt. Auf diese kurze Distanz kommt er natürlich nicht ins Schwitzen. Hier in seiner alten Heimat sähe es wohl anders aus, denn hier gibt es außer am Neckar so gut wie keine ebenen Straßen.

Nach dem körperlichen Check kommt jetzt noch der mentale Check. Wie geht's Andi gerade? "Aktuell überwiegt die Vorfreude auf den Lauf", meint er - allerdings etwas nachdenklich: "Andererseits spüre ich schon leichte Zweifel - vor allem aufgrund der aktuellen Wetterprognose. Diese Woche hätte nicht unbedingt die wärmste des Jahres werden müssen!" Allerdings kommt Andi ja hoch genug in die Berge, wo es keine 30 Grad haben dürfte - und wir können am Samstag die Füße ins Wasserbecken stecken, einen Caipirinha schlürfen und stündlich den Liveticker lesen, ob es Neues gibt...


26. Juli 2020

Noch 6 Tage bis zum Start. Wie sieht Andis Vorbereitung in den letzten Tagen vor dem Start aus? Gestern war er noch einmal elf Stunden auf Tour in den Bergen - das war quasi das Abschlusstraining. Nun ist kein weiteres Training mehr geplant - außer vielleicht den Weg zum Arbeitsplatz rennen (vielleicht auch ein bisschen weiter...). "Ansonsten eher Muskeln lockern", meint Andi, "und Kohlenhydratspeicher auffüllen." Klingt nach viel Pasta und Kartoffeln...

Zweimal hat es bisher nicht geklappt, in den Bergen einen 100-km-Lauf bis ins Ziel zu schaffen. Beim dritten Anlauf ist Andi allerdings sehr optimistisch. Denn er hat viel trainiert ("besonders Grundlagen mit Gunnar", meint er) und war schon viel in den Bergen unterwegs. "Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen", hofft Andi.

Nach zwei Fehlversuchen wagt er sich jetzt an eine neue, unbekannte Strecke. Ein bisschen Aberglaube? "Ich wollte mal eine neue Strecke probieren, aber trotzdem in den Bergen unterwegs sein. Nach langer Suche hat der Lauf gut in meinen Terminkalender gepasst. Und die Strecke wird hoffentlich sehr schön."

Wahrscheinlich wird es weniger eine Frage der Muskulatur oder des Wetters sein, sondern eine mentale Herausforderung. Doch Andi weiß das: "Isi wird mit dabei sein", freut er sich, "aber es wird nicht so viele Möglichkeiten für sie geben, an der Strecke zu sein. Bei nur 112 Teilnehmern gehe ich davon aus, dass die Läufer sich gut auf der Strecke verteilen werden: ich werde also viel allein unterwegs sein."




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