Auf! Lauf! Rämpele!

Gestern habe ich mir neue Laufschuhe geholt. Sie gehören eingeweiht. Mh-hm. Es ist mal wieder schrecklich neblig. Das wird eine gewaltige Anstrengung, die Laufklamotten aus dem Schrank zu holen. Oder soll ich bis 9 Uhr warten? Dann soll sich der Nebel aufgelöst haben.

Ich denke an gestern: da war ideales Laufwetter! Wir haben beim Lauftreff nämlich die Wintersaison gestartet und laufen jetzt samstags. Das bedeutet, wir können bei Tageslicht starten und kommen auch vor der Dämmerung zurück. Gestern war es mild und nur ein wenig bewölkt, am Ende strahlte sogar die Sonne ins Gesicht, als wollte sie uns belohnen, das die beiden Walkerinnen und wir drei von der Laufgruppe zeitgleich ins Ziel kamen. Obwohl wir nur neun Kilometer gerannt sind, haben Bernd und ich unsere Mitläuferin durch unser hohes Tempo ganz schön außer Atem gebracht. Nicht etwa, dass sie nicht mehr hätte weiterlaufen können, aber sie hatte nicht mehr genug Luft für ganze Sätze. Was haben wir über unsere neuen Zugänge in unserer Zitatensammlung gelacht! Am besten gefiel uns dieser Satz aus ihrem Mund: „Es ist nie zu spät, eine gute Kindheit zu haben.“ Da mag nun der geneigte Leser ins Grübeln kommen und überlegen, wie die richtige Langversion dieses Satzes lauten könnte!

Aber genug in Erinnerungen geschwelgt, jetzt gilt es, neue zu sammeln. Also laufe ich los in den Nebel hinein. Wie ein Tuch legt er sich über Wald und Flur und dämmt die Geräusche des so schon stillen Morgens. So dicht ist er, dass im Wald das Wasser von den Blättern tropft. Oberhalb von Neckarkatzenbach sehe ich, wie ganz weit hinten am Umlaufberg Sonnenstrahlen durch die Nebelschicht brechen und eine Wiese beleuchten wie das Flutlicht ein Fußballstadion. Sofort beschleunige ich meine Schritte, was kein Problem ist, denn es geht bergab. Außerhalb des Ortes begegne ich heute den einzigen beiden Walkerinnen und begrüße sie freundlich: „Wir sind uns auch schon begegnet!“ Ihr fragender Blick verrät, dass sie mich nicht erkennen. Also sowas! „Ihr seid zu früh losgegangen!“, meine ich dann noch. Sie blicken sich um und sehen die Sonne, lachen und meinen, sie kehren nachher in die Sonne zurück. Ich renne weiter, denn ich will ja den Platz an der Sonne; und kaum leuchtet sie auf meine Wangen, da spüre ich förmlich, wie die Glückshormone in das Blut strömen. Ich gehe sogar ein paar Schritte, um die wärmenden Sonnenstrahlen zu genießen. Hinter Guttenbach den Berg hinauf verschwindet der Weg dann allerdings wieder in dichten Nebelschwaden, aber was soll's, ich habe genug Glücksgefühle für den restlichen Tag angespart. Zumal später im Mörtelsteiner Wald die Sonne doch tatsächlich den Nebel verscheucht: ein erhebender Anblick. Nun ist es nicht mehr weit: nur noch ein Rämpele hinauf (auch eine Reminiszenz an gestern), dann geht es nur noch bergab bis nach Hause.


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